The Circle – Dave Eggers

Circle2Twitter, Instagram, Facebook, Pinterest & Co. – dass da eine gewisse Suchtgefahr besteht, wissen wir Blogger wohl am besten 😉 In Dave Eggers Zukunftsvision wurden diese vier Sozialen Netzwerke und viele andere jedoch von einem einzigen Internetriesen geschluckt: Vom Circle. Eine ihrer neusten Mitarbeiter heißt Mae Holland, froh, endlich einen besseres Job zu haben und aus ihrer Heimatstadt herauszukommen, und noch nicht allzu heimisch im Internet. Das endet sich jedoch binnen Wochen, in denen Mae „transparent“ wird, sodass sie täglich eine Kamera um den Hals trägt, deren Livestream die ganze Welt mitverfolgen kann. Dave Eggers „Der Circle“, 2014 bei Kiepenheuer & Witsch erschienen, erzählt damit die Geschichte einer Welt, in der das Internet jede Art von Information für jeden zugänglich machen möchte.

Circle1Als erstes fiel mir auf, dass der Roman keinen Ich-Erzähler hat: Daher fand ich es anfangs zunehmend schwierig, Mae als Person kennenzulernen und als Protagonistin zu akzeptieren. Für mich blieb sie damit lange Zeit ein ungeschriebenes Blatt, mit dem ich mich kaum identifizieren konnte, und mir gelang es nicht, einen wirklichen Einblick in ihre Gedanken zu erlangen. Im Verlauf des Romans habe ich mich jedoch gefragt, ob vielleicht gerade darin eine entscheidende Stärke des Romans liegt: Mae wirkt wie ein eher flacher Charakter, stellt sich nur selten gegen Obrigkeiten und sieht ihre Vergehen schnell ein. Sie wirkt ganz normal, keine Heldin, nicht einmal ein wirkliches Vorbild. Für mich führte der Roman dem Leser damit in erster Linie vor Augen, dass viele von uns in eine Position wie Maes als blind folgende Anhängerin verfallen könnten, und gerade das machte den Roman für mich wiederum stark. Was dann beschrieben wird, regt vor allem zum Weiterlesen an, weil es so interessant ist: Der Campus, auf dem die „Circler“ arbeiten, feiern und leben, die Arbeit selbst, die Menschen. All das hat einen exotischen Charakter und doch ahnt man, dass es diese Menschen und vielleicht auch eine Version des Circles heute schon gibt. Gerade im Kontrast zu Mae, die ein vergleichsweise oberflächlicher Charakter bleibt, wuchs mir Annie als Charakter schnell ans Herz. Insbesondere die Szene, in der Mae es ist, die eine Kamera um den Hals trägt, um ihren gesamten Alltag ins Internet zu stellen, und dabei auf Annie trifft, die jedoch von den Arbeiten des Circles, den sie auf höchster Ebene erlebt, der Öffentlichkeit noch nichts preisgeben darf, ist mir in Erinnerung geblieben, gerade weil gleichzeitig von Politikern erwartet wird, dass auch sie transparent werden, damit nicht spekuliert wird, was sie zu verbergen haben. Annie ist der Charakter, der den Leser erkennen lässt, dass auch der Circle Schattenseiten hat: Sie ist müde, ausgelaugt, überarbeitet und in einer Position, um die die halbe Welt sie beneidet. Besonders stark zu beobachten und für den Leser außerdem gut nachvollziehbar und an keiner Stelle zu abrupt ist außerdem Maes Entwicklung: Anfangs freut sie sich noch, einen sogenannten „9-to-5-job“ gefunden zu haben, bald schon übernachtet sie auf dem Campus des Circles, weil es sich für sie nicht mehr lohnt, zwischendurch nach Hause zu fahren.

Oft wurde charakterisiert, dass Maes Charakter so flach erscheint – für mich lag darin jedoch eine deutliche Botschaft: Viele von uns könnten Mae sein. Ob der Circle tatsächlich unsere Zukunft ist, möchte ich nicht beurteilen, jedoch muss ich sagen, dass ich den Roman begeistert gelesen habe: Er wird nicht langweilig, ist interessant und detailliert durchdacht und erinnerte mich viel zu oft an unsere heutige Welt.

Glaubst du, dass eine solche Zukunftsversion wahrscheinlich ist? Und wie hat dir der Roman gefallen?

P.S.: Hier geht es zu der Rezension zu Gone Girl sowie zu Etta and Otto and Russell and James!

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2 Antworten zu “The Circle – Dave Eggers

  1. Auch wenn ich solche Bücher, in denen die Technick eine so große Rolle spielt, eigentlich nicht so mag, reizt mich deine Rezension irgendwie. Ich kannte das Buch bisher zwar nicht, es hört sich vom Thema her ganz interessant an.
    Ich persönlich glaube nicht, dass unsere Zukunft wirklich so aussehen könnte. Ich glaube eher den Dystopien, in denen die Technick irgendwann versagt und die Menschheit sich wieder ein bisschen mehr dem Mittelalter zuwendet. Außer dem Beamen – auch wenn mir JEDER sagt, dass das nie passieren wird, glaube ich fest daran, dass es irgendwann möglich sein wird, sich von Punkt A zu Punkt B zu beamen. =)

    LG,
    Julia

    • Huhu 🙂

      Entschuldige meine späte Antwort – im Urlaub wollte das Internet leider nicht zu mir halten 😉

      Ich würde es dir auf jeden Fall empfehlen – ich hab’s wirklich verschlungen!

      Liebe Grüße,
      Marie

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