Der Tag, als wir begannen, die Wahrheit zu sagen – Susan Juby

Wahrheit3Von solch mysteriösen Titeln werde ich beinahe magisch angezogen – das weiß ich, spätestens seitdem ich Janne Tellers „Nichts“ gelesen habe. Auch dieser Roman hat mich neugierig gemacht und landete bald in meinem Buchregal! Im Mittelpunkt stehen Normandy und ihre Freunde Neil und Dusk sowie deren Wahrheitskomission: Sie beschließen, ihre Mitschüler nach der Wahrheit zu fragen, und stoßen dabei auf einige Geheimnisse.

Wahrheit1Mich hat dieses Buchkonzept direkt neugierig gemacht: Es klingt so mysteriös, aber gleichzeitig ganz real. Ein wenig hat mich der Roman anfangs tatsächlich an Janne Teller erinnert, von der ich sehr begeistert bin. Verfasst ist der Roman in Form von Essays, die immer wieder mit Fußnoten versehen sind. Umso spannender es wurde, desto öfter musste ich gestehen, eine Fußnote übersprungen zu haben, aber generell fand ich sie durchaus gut dossiert und sie geben der Erzählerin eine tolle Möglichkeit, um Dinge anzubringen, die eigentlich gar nicht in ihren Essay passen, was den Roman wiederum wirklich witzig macht. Für letzteres sorgt auch der Schreibstil: Susan Juby hat eindeutig Humor und lässt das den Leser auf flapsig-lockere Art und Weise auch wissen! Von Anfang an war ich mir nicht sicher, ob dieser Stil auch zu einem doch eher ernsterem und abstrakterem Thema wie der Wahrheit passt, gefallen hat mir der Schreibstil aber schon. Der Roman spielt an der Green Pastures Academy, einer Kunst-High School, auf der sich alle möglichen jungen Künstler treffen, deren Hobbys etwas außergewöhnlicher sind als das, was sich vielleicht an deiner Schule finden lässt: Normandy stickt, Neil malt schöne Frauen und Dusk präpariert tote Spitzmäuse. Die Charaktere fand ich einfach nur genial, sie machen richtig Spaß und sind Menschen mit ihren Stärken und Schwächen und einer gehörigen Portion Selbstironie, mit denen man aber dennoch total gerne befreundet wäre! Die Idee, ab jetzt nach der Wahrheit zu fragen, kam für mich etwas zu schnell, Normandys Bedenken wirkten dafür umso realistischer – toll! Langsam fließt auch die Backstory von Normandys Schwester – die viel zu oft auch viel zu viel mit Normandy selbst zu tun hat – ein und diese ist eben das, was auch die Green Pastures ist: kreativ, kunterbunt und einfach spannend! Mich haben diese Charaktere begeistert, die so sehr in ihrer eigenen Welt leben, und Keiras Geschichte sorgt für Spannung, gerade weil sie immer wieder mit tollen Cliffhangern endet. Persönlich kann ich mir nicht vorstellen, dass es realistisch ist, dass die Wahrheit an der Green Pastures so großartige Dinge anstellt, denn die Schüler sind zwar erst überrumpelt, wenn sie nach der Wahrheit gefragt werden, das heißt wenn ein andere Schüler plötzlich wissen will, ob er denn jetzt schwul ist oder nicht, ob sie denn nun den einen oder den anderen liebt, ob es stimmt, was man über ihre Schwester erzählt, ob sie wirklich von den Ureinwohnern abstammt und viel mehr. Die Figuren reagieren früher oder später sehr positiv, sind regelrecht dankbar dafür – für mich nicht immer ganz nachvollziehbar. Gegen Ende des Romans fließt schließlich etwas Liebe und auch etwas Romantik mit ein – für mich zugegebenermaßen ziemlich fehl am Platz, der Roman wäre auch gut ohne ausgekommen. Richtig spannend wird es dafür am Ende: Ist der Anfang noch eher interessant, kommt mehr und mehr Spannung auf und das Ende ist so ganz anders als man vielleicht vermuten mag. Es ist wiederum realistisch und das hat mich begeistert!

Für mich war der Titel des Romans ein Fehlgriff, denn die Charaktere aus Susan Jubys Roman beginnen nicht, die Wahrheit zu sagen, sondern nach der Wahrheit zu fragen. Laut Klappentext stoßen sie damit zwar auch auf Geheimnisse aus ihrem eigenen Leben, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass die Charaktere sich außerordentlich mit sich selbst auseinander setzen. Ausgehend vom Titel bin ich davon ausgegangen, dass der eigentliche Konflikt das Romans darin bestände, dass früher oder später jemand nicht positiv auf die Frage nach der Wahrheit reagiert, was aber nicht der Fall war. Wer sich vom Titel nicht fehlleiten lässt, der wird den Roman jedoch lieben: Er hat seine Makel, aber er ist auch besonders, traut sich, mal so ganz anders zu sein als viele andere Romane, hat absolut geniale Charaktere und ist dabei noch spannend! Mich hat er zuerst nachdenklich gemacht und dann absolut gepackt und begeistert.

Herzliches Dankeschön an den cbj-Verlag für mein schönes Rezensionsexemplar. Hier kannst du es selbst bestellen!

Bist du vielleicht auch ein Fan von Janne Teller? Und kennst du diesen Roman bereits?

P.S.: „Together Forever – Total verliebt“ und „Girl on the Train

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4 Antworten zu “Der Tag, als wir begannen, die Wahrheit zu sagen – Susan Juby

  1. Ich habe bisher nur negative Rezis dazu gelesen und war wirklich unsicher, da mir der Klappentext eigentlich zugesagt hat. Jetzt habe ich wieder ein bisschen Hoffnung! 😉 Nichts subbt bei mir noch herum, darauf bin ich auch wirklich gespannt…

    • Huhu 🙂

      Ich habe auch viele negative Rezensionen dazu gelesen, aber ich wollte mich davon nicht abschrecken, und ich würde es wirklich weiterempfehlen – ich hab’s gern gelesen! 😉

      Liebe Grüße,
      Marie

  2. Ich habe auch überlegt, ob ich dem Buch vielleicht eine Chance geben soll, aber mit dem Vergleich zu Janne Teller bin ich jetzt eindeutig weg vom Fenster. Nichts ist DAS (Hör-)Buch, dass ich am meisten hasse!
    Keine Ahnung, ob ich das einigermaßen richtig einschätze, aber ich glaube schon, dass der Titel so passt. Das Wir sind die ganzen Schüler, die offen sagen, was die Wahrheit ist und das Fragen danach ist einfach der Anstoß dazu. Was sagst du dazu? =)

    LG,
    Julia

    • Huhu 🙂

      Wirklich? Oh, ich bin so ein riesiger Janne Teller-Fan! Die Idee hat mich irgendwie an sie erinnert, diese Idee, sich mit einem so abstraktem Begriff wie der Wahrheit auseinanderzusetzen.

      Stimmt, so kann man den Titel auch sehen… Mich hat es dadurch nur enttäuscht, dass ich das Gefühl hatte, dass die Charaktere sich so wenig mit Wahrheiten über sich selbst beschäftigen – da hat ich mir mehr Tiefgang versprochen 😉

      Ganz liebe Grüße,
      Marie

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