Ein Liebesbrief an Print

Wer sich mit Büchern beschäftigt, kennt die Diskussion: eBook oder Print? Die Meinungen gehen auseinander, die Gründe dafür ebenso. Mein kindle war lange Zeit mein Begleiter in meinen Freistunden und doch hab ich in der letzten Zeit etwas entdeckt: Mein Herz schlägt wohl wieder für Print.

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So einen ebook-Reader brauchte ich nicht, hab ich letztes Jahr einer guten Freundin erzählt. Ich mag Printbücher eh am liebsten und überhaupt. Als der kindle dann doch unter dem Weihnachtsbaum lag, war ich überrascht – das war so ziemlich das letzte Geschenk, mit dem ich gerechnet hatte. Irgendwie fand ich meinen eBook-Reader aber auch ziemlich cool – jedenfalls klein und handlich. Er landete in einer Schublade, ab und zu habe ich die Onlinevariante einer Wochenzeitung gekauft, das war dann aber auch schon alles.

Und dann hab ich begonnen, wieder regelmäßig Rezensionen auf meinem Blog zu veröffentlichen, und im auf dieses Weihnachten folgenden Sommer war ich plötzlich total im Lesefieber. Der Kindle war da mehr als nur praktisch: Die eBooks sind billiger als Printbücher, er konnte ganz einfach mit in den Urlaub genommen werden und ich hatte jede Menge Bücher zur Auswahl. Mein Verleger fragte mich einmal um Rat und bezeichnete mich als „eBook-Experte“, meine Mutter bekam auch Interesse daran und probierte den eBook-Reader selbst aus.

Heute liegt der Kindle auf meinem Nachttischchen. Die aktuelle Ausgabe der Zeit habe ich heruntergeladen und sie ist das zuletzt geöffnete Dokument. Dass ich einen Roman auf dem eBook-Reader gelesen habe, ist mittlerweile einige Wochen her. Mir fehlt die Lust, um Artikel auf dem Kindle zu lesen – ist es aber die Printzeitung, dann kann ich wieder Stunden damit verbringen. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich ein Rezensionsexemplar aus dem Briefkasten holen darf, wenn ich meine Bücherregale neu ordne, wenn ich die riesigen Bücherstapel in Buchläden sehe. Ich schaue mir noch immer die neuen Bücher verschiedener eBook-Labels an und doch ist die Rezensionsanfrage eines Printromans schneller beantwortet als die eines eBooks.

Und warum das alles? Ich schätze mal, meine Liebe für Print ist neu entflammt.

Es hat sie ja schon immer gegeben – die Leser, die eBooks aus Prinzip ablehnten, und die Buchblogger, die auf ihren Blogs anmerken, dass sie keine eBooks als Rezensionsexemplare annehmen, sowie auf der anderen Seite die Autoren, die sich dazu entscheiden, ihre Romane nur noch als eBook herauszubringen, und die Verlage, die kleine eBook-Label wie im.press oder Forever aufbauen.

Und wo stehe ich? Irgendwo dazwischen: Ich lehne eBooks prinzipiell nicht ab und glaube nicht, dass ich das jemals tun werde. Ich halte nichts davon, ein Printbuch herauszugeben, ohne es mit dem dazu passenden eBook auszustatten. Und doch habe ich plötzlich das Gefühl, einen gewissen Luxus in der Hand zu halten, wenn ich ein Printbuch erhalte. Habe ich vor einigen Wochen noch davon geschwärmt, dass man einen Text viel unabhängiger bewerten kann, wenn man ihn wie bei einem eBook eher unabhängig von Cover etc. wahrnimmt, so genieße ich es nun wieder, ein Buch in der Hand zu halten.

eBooks lehne ich nicht ab, aber Print ist für mich wieder wichtig geworden und so soll Print in meinen Augen auch bleiben: die Premiumversion eines Romans.

Ziehst du eBook oder Print vor?
Aus welchen Gründen?

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3 Antworten zu “Ein Liebesbrief an Print

  1. Hi Marie,
    ich habe mich vor ein paar Wochen auch mit dem Thema auf meinem Blog auseinandergesetzt (http://juna-fischer.de/eine-hommage-an-das-gedruckte-buch-oder-e-book-oder-print/). Und ich muss sagen: ich liebe Print! Kein noch so guter eReader kann mir das Gefühl eines Buchs geben: Der einzigartige Geruch nach neuem Papier und Tinte, die leichte Schwere in der Hand, die Gebrauchsspuren, die von einem schnellen, versunkenen „Ich will jetzt sofort weiterlesen!“-Lesen zeugen… all das bekommt der eReader nicht hin, außerdem stört mich dieses kurze Aufflackern beim Seitenwechsel einfach. Ich weiß, dass das nicht alle eReader haben, bisher habe ich aber noch keinen gefunden, bei dem mich das nicht gestört hat.
    Einzig und allein für den Urlaub würde ich wohl einen (wasserdichten) eReader bevorzugen, weil ich wegen der Bücher einfach immer Übergepäck zahlen muss.

    Viele Grüße,
    Juna

  2. Ich habe einen eReader. Und ich nutze ihn nie.
    Ich liebe die Haptik beim Print, ich brauche das Gefühl, dass da Seiten sind, die kaputt gehen können, die mir zeigen: Das Buch ist etwas Wertvolles, auf das man gut aufpassen muss.
    eReader: Was soll schon groß passieren? Wasserdicht, man sieht das Cover nicht in Farbe, man kann nicht richtig blättern, und wenn doch der Hund reinbeißt, kauft man sich eben einen neuen. Es gibt ja keine liebevoll geknickten Eselsohren, wegen der man in dem Buch besonders schnell blättern kann, keine von Hand geschriebene Eintragung des Namens oder vielleicht sogar einer Widmung.
    Lange Rede, kurzer Sinn: Print!

    • Danke für deinen Kommentar!

      Du hast recht, das sind auch meine Gründe: Ein Buch in den Händen zu halten ist einfach ein besonderes Gefühl 😉

      Liebe Grüße,
      Marie

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