Lektorat: Ein Beispiel & Änderungen verfolgen

Korrigierst du gerade ein Manuskript? Oft dauert es länger, einen Roman zu korrigieren als ihn zu schreiben. Viele Autoren sagen, dass dies ihre eigentliche Aufgabe ist, aber auch Lektoren sind am Werk, wenn es darum geht, einen Roman „druckfertig“ zu machen. Wer ein Manuskript wirklich lektorieren möchte, braucht Abstand dazu, weshalb es schwierig ist, das eigene Werk zu lektorieren. Dennoch solltest du niemals einen Roman, den du noch nicht überarbeitet hast, einem Verlag anbieten: Auch du solltest dich erst absichern, dass hier alles so ist wie du es gerne haben möchtest. In den letzten Wochen habe ich fleißig am Lektorat von meinem Debütroman „Tameha“ mitgearbeitet und dabei jede Menge gelernt! Bevor ich das Gelernte in den nächsten Wochen mit euch teile, möchte ich euch heute ein Beispiel vorstellen und euch zeigen, wie ihr die Änderungen eurer Betaleser in eurem Word-Dokument markieren könnt.

1Dies ist ein kurzer Dialog aus einem noch namenlosen Manuskript, das ich geschrieben habe. Ich habe es nach dem Schreiben bereits einmal gelesen und dann ruhen gelassen – jetzt aber geht es weiter!

2Als nächsten habe ich mir einen Betaleser gesucht, der das ein oder andere herauskorrigieren sollte – in erster Linie Rechtschreib- und Grammatikfehler. Um zu markieren, was im Nachhinein geändert wurde, klicke ich zuerst auf „Überprüfen“ und dann auf „Änderungen nachverfolgen“. Alles, das ich ab jetzt ändere, wird in meinem Dokument farblich markiert. Außerdem kann ich am Ende diese Änderungen ganz einfach annehmen – dazu aber später mehr!

3Wie du siehst sind hier alle Korrekturen rot und auch am Rand mit einem roten Balken markiert. Zuerst habe ich ein Komma vergessen, dann das Wort „murmeln“ doppelt benutzt, weshalb es einmal geändert wurde, und anschließend mich in der Zeit vertan. Einmal ist die Groß- und Kleinschreibung nicht korrekt und ein weiteres Komma fehlt. Dies sind Flüchtigkeitsfehler, die passieren, wenn dir eine Szene sozusagen „schon auf der Zunge“ liegt und du schnell „runterschreibst“ – kein Problem, einfach schnell ausbessern!

4Anschließend habe ich den Dialog selbst noch einmal gelesen. Der Satz, der mit „Die Gabel“ beginnt, klang für mich nicht ganz flüssig, weshalb ich ihn ausgebessert habe, ebenso wie ich auch den Satz, nachdem Jasmin zum zweiten Mal spricht, geändert habe sowie die letzte Aussage ihrer Mutter. Immer dran denken: Du hast den Roman geschrieben – was du selbst nicht verstehst oder was für dich nicht flüssig klingt, wird dein Leser erst recht nicht verstehen!

5Als nächstes habe ich mich von der Rechtschreibung und der Grammatik gelöst und habe mir einige inhaltliche Fragen gestellt: Jasmin möchte nicht an Kevins Augen denken. Ist die Szene, in der sie ihm in die Augen sieht, vielleicht so weit entfernt, dass der Leser sich nicht daran erinnert? Außerdem verändern sich die Gefühle von Jasmins Mutter sehr schnell und auch Jasmin ist niemand, der etwas nur nicht wahrhaben möchte. Zuletzt fand ich den letzten Kausalsatz nicht ganz passend.

6Wie ihr seht habe ich beschlossen, auf den ersten Kommentar nicht zu reagieren, da ich glaube, dass er für den Leser durchaus verständlich ist. Dafür habe ich „ärgerlich“ gestrichen und „hoch“ stattdessen eingesetzt ebenso wie ich beschlossen habe, dass Jasmin mit Sicherheit weiß, dass ihre Mutter recht hat. Am Ende habe ich beschlossen, den letzten Satz zu streichen, weil ich der Meinung bin, dass der Satz davor für sich allein stehen kann.

7Kommen wir zum Schluss: Gehen wir erneut auf „Überprüfen“ und anschließend auf „Annehmen und weiter“, so verschwinden automatisch alle farblichen Markierungen und alle Änderungen, die du gemacht hast, werden in den Text eingefügt. Daher ist diese Methode viel schneller, als jede einzelne Veränderung per Hand farblich zu markieren!

8Da ist er: der fertige Text! Aber Moment, da ist ja immer noch etwas Rot!? Euch ist es bestimmt schon aufgefallen: Beim Korrigieren ist mir ein Fehler unterlaufen, den ich habe „stoppte“ fälschlicherweise zu „stopte“ korrigiert und außerdem ein Leerzeichen verschluckt. Das Problem ist, dass das farblicke Markieren von Änderungen manchmal ein ziemliches Chaos auslöst, indem solche Fehler schnell untergehen. Was macht man da? Na klar: Die ganze Prozedur fängt noch einmal von vorne an!

Wie oft korrigierst du einen Text, bevor du ihn für „fertig“ hältst?

Was macht dir mehr Spaß: Schreiben oder korrigieren?

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2 Antworten zu “Lektorat: Ein Beispiel & Änderungen verfolgen

  1. Wow, du machst dir ja eine Heidenarbeit damit! Ich überarbeite nur äußerst ungern, wirklich, ich sehe es nicht gerne, wenn man mit Rotstift an meinen Texten herummäkelt, auch, wenn sie dabei besser werden.
    Ich bin da unverbesserlich. Aber zum Glück gibt es ja die lieben BetaleserInnen, die mir jedes Mal zeigen, dass der Text noch verbessert werden kann.

    • Das sehe ich genauso: Betalesen hilft auf jeden Fall!

      Die Art, wie ich heute korrigiere, habe ich erst nach und nach gelernt. Nicht immer hab ich Zeit, um direkt beim ersten Anlauf gründlich zu sein, aber am Ende bin ich einfach perfektionistisch – auch wenn es um mein Buch geht 😉

      Liebe Grüße,
      Marie

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