Zwillingssterne von Christina Moracho

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Eckdaten
Titel: Zwillingssterne
Autor: Christina Moracho
Genre: Belletristik
Verlag: Königskinder (Carlsen)

InhaltAlthea und Oliver existieren nur zusammen und das schon so lange sie denken können: Die Nachbarskinder sind wie Geschwister miteinander aufgewachsen. Als Oliver aber von einer mysteriösen Krankheit befallen wird, die ihn wochenlang schlafen lässt, ist Althea plötzlich auf sich allein gestellt – und verändert sich.

ähnlich wieDer Schreibstil erinnerte mich mit seiner Ruhe sehr an „Die Nacht gehört dem Drachen“, während mich die Atmosphäre manchmal seltsamerweise ausgerechnet an einen Tatort erinnerte – sie war eigenartig blass und doch einfühlsam.

AdjektiveRuhig, gelassen, rau, verdorben, knisternd

Lieblingszitat„Irgendwie ungerechet“, sagte Althea. „Dass es für mein Problem einen Namen gibt, aber nicht für das von Oliver.“

„Du hast kein Problem“, sagte Coby. „Die Dinge ändern sich eben.“ (aus „Zwillingssterne“ von Christina Moracho erscheinen bei Königskinder, Carlsen)

RezensionDirekt gefallen hat mir die Konstellation: Althea ist allein, sie ist es, die praktisch nur an seiner Seite existiert. Jetzt aber muss sie für sich selbst stehen – und bemerkt, dass auch Oliver nicht der ist, für den sie ihn immer gehalten hat. Diese mysteriöse und recht unbekannte Krankheit macht neugierig und ist gleichzeitig schrecklich grausam – der Schreibstil der Autorin lässt sie aber real wirken.

Dieser ist ruhig und gelassen, wobei die Szenen immer echt wirken. Sie werden toll beschrieben und in detailvolle Bilder verpackt. Immer wieder finden sich einzigartige Zitate – nicht bei vielen Büchern muss ich lange überlegen, welches Zitat ich unter „Lieblingszitat“ aufführe, hier aber schon. Ebenso gibt es Bilder, die sich über den ganzen Roman erschrecken und gerade am Ende immer wiederkommen.

Von Anfang an hatte ich Mitleid mit Althea, dieser Außenseiterin, die noch so eigenwillig sein kann, aber doch auf Oliver angewiesen ist. Er wirkt aber auch in sich gekehrt und strahlt dank seiner Krankheit gleichzeitig etwas Geheimnisvolles aus. Ihre alleinerziehenden Eltern vollenden das Bild: Die beiden Teenager sind allein in der großen und teils als recht verdorben dargestellten Welt, ihren Zusammenhalt kann man dennoch nicht brechen.

Dennoch gelang es mir nicht ganz, ein wirklich rundes Bild von den Charakteren zu erhalten. Sie sind außergewöhnlich und detailreich und vielleicht machte gerade das es mir so schwer, wirklich zu verstehen, wer sie sind. Immer weider konnte ich Reaktionen und Gefühle so aber nicht nachvollziehen – ebenso wie Altheas Entwicklung mir zu plötzlich und abrupt kam.

Manchmal gibt es hiervon zu viel und davon zu wenig – anfangs ist da viel Jugendsünde und etwas Verliebtsein. Viele Entwicklungen zwischen den beiden Protagonisten sowohl auf sexueller als auch auf emotionaler Ebene sind plötzlich und scheinen abrupt – als Leser fühlte ich mich dadurch wieder und wieder aus der eigentlichen Geschichte gerissen.

Ansonsten passiert aber nicht viel, eher wird hier sensibel eine kleine Welt dargestellt. Immer wieder tauchen Anekdoten und Geschichten aus der Vergangenheit auf und es wird klar, dass die Beziehung zwischen Althea und Oliver etwas Besonderes ist und sie hat das Zeug dazu, den Leser zu berühren. Sie geht tief und auch nach ihrem schlimmsten Streit ist Althea noch da, um Oliver zu helfen. Sie benehmen sich wie Geschwister und doch ist da mehr – auch wenn die beiden selbst nicht zu wissen scheinen, wie sie damit umgehen sollen.

Viel erfährt man nicht von der Zeit, in der Oliver schläft – dass er sowohl Altheas als auch seinen eigenen Geburtstag verschlafen hat, erfährt der Leser erst, als auch Oliver schon wieder aufgewacht ist. Dass sie im Verlauf der Geschichte getrennt werden, fand ich ebenso schade. Vielleicht zeigt es, dass jeder seinen eigenen Weg gehen muss, aber mir fehlt der Fokus, da der Schwerpunkt der Geschichte damit wieder und wieder verschoben wurde und mir der Plot nicht klar skizziert erschien.

BewertungChristina Moracho traut sich, dem Leser nicht immer das zu geben, was er vielleicht gerne hätte: Hier gibt es nicht das kleinste Anzeichen einer liebevollen Romanze und auch keinen unendlichen Zusammenhalt. Sprüche und Szenen sind derb, die Atmosphäre manchmal rau. Dennoch beschreibt sie eine Welt, die man nicht wieder verlassen möchte. Es scheint zu knistern, nicht nur zwischen Althea und Oliver.

Drei

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Eine Antwort zu “Zwillingssterne von Christina Moracho

  1. Pingback: Rezension | “Zwillingssterne” – Cristina Moracho | Brösels Bücherregal | Der quirlig bunte Buchblog mit fränkischer Moderation·

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