Vor uns das Leben

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EckdatenTitel: Vor uns das Leben
Autor: Amy Harmon
Verlag: Egmont INK
Genre: Jugendbuch Belletristik

InhaltAmbrose ist Ringer und damit der Star der High School, Bailey wird von seiner Krankheit an den Rollstuhl gefesselt und seine Cousine Fern kümmert sich aufopfernd um ihn. Nach ihrem letzten Jahr in der High School aber stehen die Jugendlichen plötzlichen vor ihrem Leben – und wissen noch nicht, was sie damit anfangen wollen.

AdjektiveMagisch, sanft, realistisch, blass, verträumt

LieblingszitatEs gibt keine Nebendarsteller. Stell dir doch mal vor, wie sich Ambrose gefühlt haben muss, als wir bei Mr Hildy die Nachrichten gesehen haben. Seine Mom arbeitete in einem der beiden Türme. Er sitzt da, sieht alles im Fernsehen und fragt sich vermutlich, ob er da gerade zusieht, wie seine Mutter stirbt. Für uns ist sie vielleicht eine Nebenfigur, aber für ihn ist sie die weibliche Hauptdarstellerin. („Vor uns das Leben“ von Amy Harmon erschienen bei Egmont INK, S. 33)

RezensionAmy Harmons Schreibstil ist erstaunlich anschaulich und doch haben ihre Vergleich Humor – manchmal sogar schwarzen Humor, immer aber eine Mischung aus Witz und Belanglosigkeit. Sie schreibt interessant und intelligent, die fein eingearbeitete Geschichte des Herkules verleiht dem Roman dabei etwas Philosophisches und Großes. Die Welt der Jugendlichen, die sie begleitet, betrachtet sie mit Distanz und beschreibt analytisch, was die fehlende ich-Perspektive, die ich mir sonst bei einem solchen Roman gewünscht hätte, wieder gut macht. Ihre Sprache zeichnet sich durch ihren realistischen und bodenständigen Unterton aus.

Mit dem Plot selbst konnte ich anfangs nichts anfangen – mir gelang es nicht, ganz in die Geschichte einzutauchen. Und doch strahlt der Roman von Anfang an die USA aus, ein gewisser High School-Flair herrscht. Nach und nach schafft diese Atmosphäre es zu verzaubern, nicht etwas weil sie mysteriös wirkt, aber doch weil sie als Teil eines Größeren argestellt wird. Trotz der Ruhe, die der Roman mit sich bringt, sind die Geschehnisse zahlreich und laufen schnell ab – Spannung vom feinsten.

Die Thematik von 9/11 hat mich zuerst abgeschrocken – wird sie doch oft eher als Mittel zum Zweck genutzt, um für Drama zu sorgen. Hier aber ist sie außerordentlich gut eingebunden und zeigt das patriotische Amerika. Die entspannte Zeit nach der Jugend, in der die Jungen im Irak darüber witzeln, mit welchen Mädchen sie am liebsten schlafen würden, wechselt sich mit ernsten Themen ab und gerade diese Balance ist sensibel, hier aber gut gelöst. Stellen andere Bücher die Jugend als eher bunt und theatralisch dar, so ist dieser Roman eher blass – erfrischend blass!

Die eigentliche Geschichte wird wieder und wieder von Einschüben aus der Vergangenheit unterbrochen und spannend wird gezeigt, wie die Vergangenheit sich auf das heutige Geschehen ausübt. Die Suche nach Identifikation, die Qual der Wahl bei der Berufswahl und die Frage, was die Zukunft bringen wird – all dies wird erzählt, während die Jugendlichen zum ersten Mal in ihrem Leben ohne Rückhalt und vollkommen losgelöst sind.

Mit den Charakteren musst ich erst warm werden: In erster Linie haben mich die Namen verwirrt – Bailey ist also ein Junge? Fern, die weibliche Protagonistin, wurde eher abschätzig dargestellt und schaffte es einfach nicht, mich zu berühren. Man kann sie für ihre Vorstellungskraft lieben – aber erst im weiteren Verlauf des Romans, denn anfangs wird sie zu blass beschrieben. Umso näher man die Charaktere aber kennen lernt, desto mehr lernt man sie auch lieben: Da sind diese Cousins, die sich so nah stehen, Ambroses verletzlicher Vater und mehr.

Was aber macht Fern eigentlich? Die High School ist vorbei, Ambrose hat mittlerweile einige Zeit in der Armee verbracht – Fern aber ist scheinbar zuhause geblieben und hatte keine Pläne geschmieden. Als dann auch Ambrose aufs College geht, plant sie ihre Zukunft um ihn herum – möchte lieber bei ihm bleiben, auch wenn das für sie bedeutet, nicht aufs College zu gehen.

Während Ambrose und die Jungen in den Irak ziehen, bekommen zwei Freundinnen der Jungen Kinder und auch ein weiteres Paar, das ich noch nicht verraten möchte, heiratet reichlich früh. Die Religion spielt immer wieder eine Rolle, wenn jemand einen Ratschlag nötig hat – insgesamt wird deutlich, dass es sich hier um Amerika handelt, ein prüdes Amerika.

BewertungIch habe dieses Buch geliebt – wirklich geliebt. Die Charaktere sind mir ans Herz gewachsen, die Situation nach der Schule, in der einem alle Türen öffen stehen und man doch nicht weiß, was sich dahinter verbringt, konnte ich nachvollziehen und ich mochte diese erste Liebe, die Familien und die Freunschaften. Berührt hat mich dennoch erst die Danksagung, denn die machte deutlich, dass in der Welt der Autorin alles, was mir überzogen „amerikanisch“, patriotisch, zu religiös, zu altmodisch oder zu oberflächlich erschien, tatsächlich so ist. Ich muss ehrlich sagen, dass ich die Geschlechterrollen und mehr, die in diesem Roman dargestellt werden, teilweise nicht auf mein Leben übertragen kann und möchte – und das hat mich nachdenklich gemacht, ändert jedoch nichts daran, dass der Schreibstil und die Atmosphäre dieses Romans einzigartig sind.

DreiIch danke Egmont INK und Lovelybooks für die Bereitstellung des Rezensionsexemplar. Hier kannst du es selbst bestellen!

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