Anonymität im Netz – oder doch kein Buchblogger werden?

Buchblogs bieten eine immer öfter genutzte Plattform, auf der sich Verlage und Lesebegeisterte treffen: Rezensionsexemplare machen regelmäßig ihre Runde und auch Plattformen wie lovelybooks.de, vorablesen.de und Blogg Dein Buch sorgen dafür, dass die Blogger mit reichlich Büchern versorgt werden. Kostenlose Rezensionsexemplare ziehen und die Verlage bestimmen damit, welche Bücher auftauchen. In der Masse der Blogger gehen mittlerweile jedoch viele unter: Den Buchblogger könnte ich dir kaum nennen und täglich kommen neue dazu. Wer hier Fuß fassen möchte, muss klein anfangen – und das ist nicht immer einfach.

wpid-instagramcapture_5a5f2f66-7e07-434b-a60a-be0c72a34964_jpg.jpg
Vor einigen Wochen (oder eigentlich eher nur Tagen) kam es unter den Buchbloggern auf Twitter zu Aufruhe, als eine Bloggerin sich unter sie mischte, die sich hinter einem Pseudonym versteckte und sich außerdem mit nicht immer schönen Mitteln einen Platz unter den Bloggern erkämpfen wollten. Einige stellen sich direkt gegen sie, andere merkten an, dass man noch nicht wüsste, was dahinter steckte. Und sie sollten Recht behalten: Es handelte sich um ein Experiment, um den Bloggern zu zeigen, wie Neulinge in dieser Welt empfangen werden.

Was also machen? Doch kein Buchblogger werden? Das würde ich nicht sagen!

Dieser Blog ist nicht der erste Blog, den ich jemals geschrieben habe. Seitdem ich aber für „Tameha“ meinen ersten Autorenvertrag unterschrieben habe, habe ich einen Grund, um am Bloggen dranzubleiben – und dieser hat mir vorher gefehlt. Bei meinem vorherigen Buchblog hatte ich einfach kein Erfolgserlebnis, was sich hier änderte: Jede positive Rückmeldung auf mein Romandebüt wurde für mich zu etwas Besonderem und gab mir die Motivation, um weiter zu bloggen. Dies soll nicht nur ein „Dankeschön!“ an alle Blogger und Leser sein, die mich mit diesem Blog unterstützt haben – nein, es ist auch ein „Hut ab!“ an alle, die die Motivation haben zu bloggen, denn einen Blog regelmäßig mit neuen Posts zu füllen kostet Zeit und Arbeit.

Ich kann nicht sagen, dass ich mich jemals nicht willkommen gefühlt habe. Ich habe auf Twitter und Instagram Kontakt zu vielen Bloggern aufbauen können, was mir sehr weitergeholfen hat, und auch wenn ich oft vorsichtig war, was ich dort sagte, wurde ich doch wirklich nett behandelt. Dazu muss ich aber auch sagen, dass ich durch „Tameha“ nicht mehr die Bloggerin bin, die ich einmal war – ich habe in der letzten Zeit mit Sicherheit an Professionalität gewonnen, wenn es um das Medien und insbesondere Soziale Netzwerke geht, auch wenn ich mich niemals als Profi bezeichnen würde.

Trotzdem kann ich mich daran erinnern, wie es war, sich einen Buchblog aufbauen zu wollen: Diese Zeit ist nicht ganz einfach, denn viele bereits bestehende Blogs haben Kontakt zueinander und bauen darauf auf. Wer in schneller Zeit Erfolge erzielen möchte, wird aber schnell merken, dass es so nicht funktioniert. Raues Aufmerksammachen auf den eigenen Blog ist auch auf Twitter & Co. nicht gerne gesehen – man beachte den Unterschied zwischen „Heute gebloggt: Vier Sterne gehen an Xy von Yx“ und dem Markieren verschiedener Blogger mit dem Zusatz „Hier findet ihr richtige Rezensionen“. Letztendlich ist es aber auch ein Spiraleffekt: Haben wir uns einmal hochgekämpft, behandeln wir die unter uns wie wir behandelt wurden, als wir noch unten waren.

Soll das eine Kritik an der Bloggerwelt sein? Nein, keinesfalls: Ich kann mich nur dafür bedanken, wie viele mir geholfen und mich unterstützt haben. Ich konnte wirklich nette Kontakt zu Gleichgesinnten knüpfen und schon das allein ist die ganze Arbeit wert. Der ein oder andere Twitterer, Bloggerer, Instagrammer oder Forenleser, mit dem ich letzter Zeit Kontakt hatte, darf sich gerne angesprochen fühlen 🙂

Dass Anonymität hemmungslos macht, ist im Netz aber unumstritten und wird immer wieder kritisiert: Impressumspflicht herrscht mittlerweile auch in Buchblogs und doch gibt es zahlreiche Blogs, deren Inhaber ihre Adressen nicht angeben. Anfangs war ich im Glauben, dies wäre in erster Linie für Rezensionsexemplare wichtig, heute weiß ich: Auch meine Adresse steht in meinem Impressum und doch werde ich angeschrieben und per E-Mail nach meiner Adresse gefragt, denn das geht schneller als auf meinem Blog nachzusehen. Es ist und bleibt also schlichtweg ein Gesetz: Die Adresse muss im Impressum stehen.

Anfangs stand sie aber auch in meinem Impressum nicht, jedoch traute ich mich in dieser Zeit auch nicht, Werbung für meinen Blog zu machen. Nicht zuletzt durch die Selbstständigkeit meiner Eltern und mit Sicherheit auch durch lokale Zeitungen etc. bin ich mir sicher, dass es jemandem, der unbedingt meine Adresse herausfinden möchte, auch möglich ist, diese zu finden, ohne dass er sie auf meinem Blog nachliest. Dennoch kann ich verstehen, dass der Gedanke sich falsch anhört, wurde meiner Generation doch immer eingeflößt, keine privaten Daten im Internet preiszugeben.

Was machen wir also aus der Anonymität im Netz? Es ist und bleibt ein Gesetz, an dem wir nicht rütteln können, und ich kann nur jedem raten, sich abzusichern, um mögliche Klagen ausschließen zu können. Auch wenn die Adresse im Blog steht, bleibt das Internet jedoch ein Ort, an dem Anonymität noch immer ein Stück weit herrscht, und als solcher sollte er mit Respekt und Vorsicht behandelt werden. Auf dem Weg zu dem richtigen Umgang damit hat sich jedoch mit Sicherheit jeder Fehler geleistet – und auch diese gilt es zu verstehen.

Advertisements

6 Antworten zu “Anonymität im Netz – oder doch kein Buchblogger werden?

  1. Das ist wirklich ein sehr interessanter Beitrag. Ich bin bei dem Thema Impressum und Datenschutz auch immer etwas unsicher. Man hört so viele verschiedene Meinungen darüber und liest jede Menge unterschiedliche Berichte dazu.

    Ich weiß leider nicht genau, wie das in Deutschland oder der Schweiz aussieht, bei uns in Österreich müssen aber meines Wissens nach so genannte „große Webseiten“ ein Impressum haben und es müssen auch die Adresse und die Telefonnummer angegeben werden. „Kleine Webseiten“ brauchen auch ein Impressum, da reicht soweit ich weiß dann aber der Name, der Wohnort und die E-Mail Adresse. Blogposts gehören zu den „großen Seiten“, da sie die Meinung des Nutzers beeinflussen könnten. Auch auf sozialen Netzwerken wie Facebook und in E-Mail Newslettern ist ein Impressum Pflicht, sofern man eine eigene Seite hat und/oder der Newsletter vier Mal im Jahr (oder öfter) versendet wird.

    100%ig sicher bin ich mir aber leider auch nicht, ich kann nur das sagen, was ich damals erfahren habe, als ich mich diesbezüglich erkundigt habe. Das ist daher natürlich hier auch keine Rechtsberatung 🙂 *lach* Ich finde das alles sowieso so verwirrend, dass ich mich selber nicht mehr so richtig auskenne.

    Das hier ist für deutsche Blogger vielleicht interessant: http://www.copypastelove.de/2013/04/braucht-mein-blog-ein-impressum.html

    • Liebe Lady Moonlight,

      danke für die Ergänzung – ich freue mich, dass die Internetseite bestimmt einigen Bloggern weiterhlefen kann.

      Ich glaube, einer der schwierigen Aspekte ist nunmal, dass der Unterschied zwischen „großen“ und „kleinen“ Seiten ebenso fließend ist wie der zwischen kommerziellen und nicht-kommerziellen Seiten: Er ist fließend. Viele verstecken sich dahinter, auch wenn dies, sollte es so weit kommen, vor Gericht nichts aussagt.

      Danke und liebe Grüße,
      Marie

  2. Huhu 🙂
    ein interessanter Beitrag. Mir wurde gesagt, dass ein Adresse nur angegeben werden muss bei komerziellen Seiten. Solange man einen Blog zum Spaß führt und damit kein Geld verdient ist man nur verpflichtet eine Kontaktmöglichkeit anzugeben!
    Aber wirklich doof das keiner so genau die Rechtslage kennt!

    Liebe Grüße

    • Liebe Nenatie,

      danke für deinen Beitrag!

      Ich habe einmal gelesen, dass ein Blog schon dann als kommerziell gilt, wenn er Rezensionen veröffentlicht, die schließlich Werbung für ein Buch sind. Für viele Buchblogger geht es daher in erster Linie wohl ums Absichern – auch ich gehe dabei ehrlich gesagt lieber auf Nummer Sicher 😉

      Liebe Grüße,
      Marie

  3. Huhu 🙂
    Es ist wirklich komisch, was das mit der Adresse angeht. Denn irgendwie lese ich überall etwas anderes. Letztens habe ich bei Facebook gelesen, dass es nicht unbedingt drin stehen muss, dafür aber andere Kontaktmöglichkeiten.
    Ich hatte lange Zeit meine Adresse drin stehen, habe weder unangeforderte Rezensionsexemplare bekommen, noch irgendwelche anderen Drohbriefe oder Werbung oder sonst was. Liegt vielleicht daran, dass mein Blog nur ein kleiner in der großen Bloggerwelt ist.
    Jedenfalls ging es bei der Diskussion bei Facebook darum, dass es ausreichen würde, wenn man eine E-Mail Adresse angibt, auf der man ständig erreichbar ist. Deshalb habe ich es nun erstmal geändert und nur Name und Ort drin gelassen und geschrieben, dass es die genaue Adresse auf Anfrage gibt.
    Ich muss allerdings sagen, dass ich anfangs auch sehr skeptisch war, was das ganze betrifft und ob ich das wirklich machen sollte.

    Liebe Grüße

    Tanita

    • Liebe Tani,

      das ist wirklich interessant – herzliches Dankeschön für den Nachtrag! 🙂

      Mein Blog hat noch keine eigene facebook-Seite, weshalb ich mich noch nicht informiert habe, wie es mit der Impressumspflicht auf facebook aussieht. Skeptisch bin ich jedoch auch schon lange. Ich habe mich zwar dazu entschieden, mich abzusichern, aber ich finde es schrecklich, dass nur die wenigsten die genauere Rechtslage kennen.

      Liebe Grüße, Marie

Kommentiere

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s