Wie hast du das mit dem Verlag gemacht?

Keine Frage wurde mir in dem letzten Monat so oft gestellt wie diese: Wie hast du das mit dem Verlag gemacht? Und dann folgten andere Fragen, die ich hier nur in der Kurzversion beantworten werde: Hast du das Cover selbst gemacht? (Nein, daran wäre ich gescheitert, aber der Grafikerin gilt mein ganzer Dank, denn ich liebe das Cover über alles.) Gibt es da so etwas wie einen Lektor? (Ja, denn meine Kommasetzung ist keinem Leser zumutbar.) Oder die auf meiner Rangliste der am meisten gestellten Fragen auf Platz 2 stehende Frage: Ich habe auch ein Manuskript geschrieben. Und jetzt?

Wenn ich ehrlich bin, empfinde ich es als ein Wunder, dass ich mir die Frage nicht selbst noch stelle. Wenn ich dies schreibe, wird mein Roman genau einen Monat später erhältlich sein, und zwei Monate vorher war noch kein Autorenvertrag unterschrieben. Jahre davor hab ich mich darum bemüht und plötzlich ging alles so schnell, dass ich es mittlerweile fast schon glauben kann, dass ich Tameha bald in der Hand halten werde. Ich freue mich riesig, dass ich in letzter Zeit von so vielen jungen Schreibern gehört habe, und habe heute daher eine neue Kategorie für euch sowie meinen ersten Erfahrungsbericht aus dem Buchmarkt!

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Die Kurzversion der Geschichte wäre, dass ich es auf die ganz altmodische Art und Weise geschafft habe: Ich habe ein Exposé, nein, das stimmt nicht genau, ich habe gefühlte dreitausend Exposés geschrieben, Leseproben in den verschiedensten Längen erstellt und Verlage und Literaturagenturen angeschrieben. Bei meinem letzten Versuch war ich fest davon überzeugt, dass ich nun die geforderte Normseite getroffen hatte, und wurde dann doch von meinem Verlag korrigiert – ich hatte irgendetwas verschickt, aber garantiert nicht die geforderte Normseite.

Neben dem Manuskript zu „Tameha“ liegen noch ungefähr dreizehn (huch, eine Unglückszahl) weitere Manuskripte in meiner Schublade, von denen ich mir für sechs tatsächlich noch eine Veröffentlichung wünsche und die restlichen als Versuche abgestempelt habe. Angefangen habe ich mit den sechs größten Verlage, später habe ich dann kleinere Verlage angeschrieben, dann Literaturagenturen, später Kleinverlage. Wer in einem Schreibforum, auf Instagram o.ä. unterwegs ist, weiß, wie viele unveröffentlichte Autoren es gibt – es ist ein Wirrwarr, in dem Neulinge untergehen.

Der Casimir-Verlag war nur ein Verlag auf einer langen Liste und dazu ein Verlag, der sich längere Zeit nicht meldete. Da ich keine Eingangsbestätigung erhalten hatte, fragte ich irgendwann nach und bekam eine Einladung für ein Treffen. Davon versprach ich mir nichts, ich war vollkommen unvorbereitet, meine Mutter war dabei, ohne das Manuskript jemals gelesen zu haben – und mein Verleger verkündete kurzerhand, dass er im Spätsommerplatz noch einen Platz frei hätte und diesen gerne an Tameha vergeben würde. Und ab da wurde es aufregend: Ich googelte „Buchmarketing“ & Co., räumte auf meinem Buchblog auf und begann, wieder mehr zu lesen, brütete über passende Buchtitel, Absätze, die mir noch nicht ganz gefielen, und nicht zuletzt auch Coverskizzen.

In dieser Zeit habe ich einiges gelernt und habe meine Eindrücke für euch kurz zusammengefasst.

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No. 1: Der Buchmarkt ist ein Haifischbecken. Und das meine ich absolut ernst. Ich bin in der Phantastatur und im Tintenzirkel angemeldet – zwei Foren, in denen Autoren sich treffen, veröffentliche und unveröffentlichte Autoren. Der Kampf um Literaturagenturen & Co. ist hart und viele gehen in diesem Wirrwarr schlichtweg unter. Auch die Menge der U18-Autoren wächst stetig und die Zahl der Verlage, die U18-Autoren überhaupt annehmen, sinkt ebenso stetig. Dass Tameha einen Verlag gefunden hat, verdanke ich auch der Tatsache, dass es ein Kleinverlag ist, der in der Nähe liegt, dass er Fantasyautoren suchte und dass er bereits U18-Autoren im Programm hatte – und nicht zuletzt einer riesigen Portion Glück. Früher hat es mich aufgemuntert, dass ich einmal gelesen habe, dass J.K. Rowling zwanzig Exposés verschickt und neunzehn Absagen bekommen hat. Heute aber weiß ich, dass es gerne auch hundert verschickte Exposés sein dürfen.

No. 2: Ein Buch herauszubringen kostet Nerven. In einem Monat ist Tameha auch in deinem Buchladen erhältlich – und bis dahin war es jetzt schon eine Menge Arbeit. Das Manuskript korrigieren, auf das Cover warten, die Vorstellungen des Verlags mit den eigenen irgendwie in Einklang bringen, Werbung auf Sozialen Netzwerken machen, eine Blogtour planen und mehr. Der Verlag ist es, der den wirftschaftlichen Aspekt im Auge beraten muss, denn einen Roman herauszubringen, den niemand kauft, lohnt sich für beide Seiten nicht und gleichzeitig sind Autoren (das streite ich gar nicht ab) auch eigenwillige Persönlichkeiten, die lange an ihrem Werk gearbeitet und eine genaue Vorstellung davon haben. Dieser Post wurde lange bevor er erscheint geschrieben und noch bange ich, dass das Lektorat den Text nicht rechtzeitig zum Blogtourbeginn fertig hat. Ich habe es keine einzige Minute lang bereut und es hat mich doch Nerven und Arbeit gekostet.

No. 3: Es gibt nichts schöneres als zu schreiben. Ich freue mich riesig auf die Veröffentlichungen, auf das Gefühl, mein eigenes Werk endlich in den Händen halten zu können, und auf das Feedback anderer, sei es positiv oder negativ. Ebenso freue ich mich auf jede frei Minute, die mir bleibt, um andere Manuskripte zu korrigieren oder neue zu schreiben. Ich habe einmal eine Autorin in einem Interview sagen hören, dass sie weitergeschrieben hätte, auch wenn sie niemals ein Buch veröffentlicht hätte. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das auch auf mich zutrifft, denn ich weiß, dass es frustrierend sein kann, eine Absage nach der nächsten zu erhalten. Ich weiß nicht, ob ich Jahr für Jahr einen weiteres Manuskript in die Schublade gelegt hätte. Warum wir überhaupt schreiben ist ein Thema, das einen eigenen Post verdient, aber ich habe das Schreiben in den letzten Wochen mehr und mehr lieben gelernt.

Wie gesagt: Ich bereue nichts, nein, ich freue mich riesig auf Tameha! Und doch möchte ich allen Schreibern da draußen Mut machen: Es gibt kein schöneres Hobby als das Schreiben – also bleibt dran!

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6 Antworten zu “Wie hast du das mit dem Verlag gemacht?

  1. Huhu lamarie!

    Das klingt wirklich toll, wie deine Laufbahn so ist. 🙂
    Steht eigentlich schon ein genaues Datum für die VÖ?

    Liebe Grüße aus Italien
    Mieze

  2. Hey Marie,
    da ich ja selbst eine (noch 🙂 ) hobby-schreiberin bin, kann ich nur eins sagen: du sprichst mir in einigen Dingen aus der Seele 😉 und es gibt wirklich nichts schöneres als das schreiben 🙂 und das beste ist: man kann es (fast) immer und überall tun (vorausgesetzt man hat einen block und einen Stift dabei) 🙂 ich freue mich schon wahnsinnig auf dein Buch,
    LG
    Ella♥

    • Hallo Ella,

      danke für deinen lieben Kommemtar ❤

      Und du hast Recht: Schreiben ist überall möglich! Noch ein Punkt auf der Warum-ist-Schreiben-das-schönste-Hobby-überhaupt-Liste 😉

      Liebe Grüße,
      Marie

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