Charaktere zum Mitfiebern

In meinem Freundeskreis gibt es die verschiedensten Buchtypen – angefangen von dem Liebhaber für Schwedenkrimis bis zu den Fantasyfans. Manchmal frage ich mich daher, was die Bücher, die wir am liebsten lesen, über uns aussagen. Oder anders formuliert: Warum gefallen uns bestimmte Bücher? Jemand, der gerne Fantasy liest, mag wohl fremde Welten und Geheimnisse. Wer die immer bekannter werdenden Science Fiction-Jugendbücher liebt, ist da wohl ähnlich, aber er mag vor allem eins: mit einem Helden mitzufiebern.

Von Twilight über Harry Potter bis zu den Hunger Games ist es immer wieder gerne genutzt: Wer würde sich nicht wünschen, einen Brief zu bekommen, der nach Hogwarts einlädt? Oder plötzlich in der Schule diesen mysteriösen aber wahnsinnig gutaussehenden Vampir anzutreffen? Oder auch seine Gesellschaft als Anführerin einer Rebellion aus den Missständen zu leiten? Oder das neuste Beispiel: zu den Ersten zu gehören, die anders sind und etwas können, das bis dorthin nur wenige können.

Genau diese Gabe besitzt Tris aus Veronica Roths ,,Die Bestimmung“. Kaum war das Ende der Triologie auf dem Markt, wurde es auch schon von den Kritikern ebenso wie von den Lesern selbst zerrissen. Warum? Weil die Leser enttäuscht waren, denn sie wollten ein letztes Mal mit ihrer Heldin mitfiebern können und mit ihr den großen Sieg erleben. Dies konnten sie aber nicht (Achtung, Spoiler!), denn Tris stirbt am Ende des Romans.

Warum identifiziert man sich überhaupt mit einer Heldin aus einem Roman? Die Frage könnte ebenso sein, warum wir überhaupt Fantasy- und Science Fiction-Bücher lesen. Weil sie mit unserer Fantasie spielen, wir uns in andere Welten hereinversetzen können und in andere Menschen – bei Roman mit personalem Erzähler in erster Linie letzteres. Jugendliche wollen Spannung, die Möglichkeit, mitfiebern zu können, aber wir wollen ebenso Vorbilder und Helden.

Wie kann ich das in meinen eigenen Romanen nutzen? Für alle, die Jugendbücher schreiben, sollte es eine Art Grundsatz sein: der Leser muss sich mit dem Protagonisten identifizieren können. Das bedeutet zuerst, dass er rein ,,formal“ dem Leser entsprechen sollte, denn einem Vierzehnjährigem wird es schwerfallen, sich mit einem vierzigjährigem Protagonisten zu identifzieren und dessen Gedanken nachzuvollziehen.

Außerdem wollen wir liebenswürdige Helden mit Macken: Sie sollten Stärken haben, wenn auch verborgene, die nach und nach an die Oberfläche treten, denn ein Held sollte etwas Gutes an sich haben. Gleichzeitig aber braucht er auch Macken, denn ein perfekter Held ist nicht nur unrealistisch sondern auch langweilig.

Bedeutet das gleichzeitig, dass mein Held nicht verlieren darf? Stell dir doch selbst einmal die Frage, ob du die Harry Potter-Bände gemocht hättest, wenn Voldemort gesiegt hätte – vermutlich hätte J.K. Rowlings Verleger es nicht einmal zugelassen. Was aber ist mit Tris? Shailene Woodley, die Tris in der Verfilmung spielen wird, sprach sich positiv für das Ende aus; andere zerrissen es regelrecht.

Auf der einen Seite ist auch das Publikum von Jugendbüchern mit z.B. dem Tod des Protagonisten auskommen kann und es vielleicht auch will, wenn es die Geschichte verlangt. Auf der anderen Seite fördert ein Sieg eindeutig die Heldenidentifikation und hat dem ein oder anderen Fantasyhit bereits ein gelungenes Ende ermöglicht. Stell dir also die Fragen: Wäre mein Held bereit, sich für seine Familie/Freunde etc. zu opfern, und ist dies in der Situation wirklich nötig? Was ist die Botschaft, die ich übermitteln würde? Welche Moral steht hinter eine Niederlage des Helden, welche hinter einem Sieg? Eine Lösung für jede Geschichte gibt es nämlich nicht, denn auch das Ende muss in die gesamte Geschichte passen

Welche Enden gefallen dir am besten?
Wie sorgst du dafür, dass dein Leser sich mit deinem Helden identifiziert?

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